Liebe Freunde, Mitglieder und Interessierte, in unserem Jubiläumsjahr 2019 (60 Jahre LüRa!) erhaltet ihr in den kommenden Wochen einen interessanten Einblick in die Zeit vor der Gründung der LüRa! 

Unser langjähriger Übungsleiter und Sportwart der Leichtathletik-Abteilung, Wolfgang Rehmer, hat im Rahmen seiner umfangreichen Arbeit für die Niederkasseler Hefte den Sport in Niederkassel in den letzten rund 100 Jahren beleuchtet und dabei eben auch speziell in Lülsdorf und Ranzel.

Wer schon ungeduldig ist, kann auch gerne schon mal auf unserer neuen Archiv-Seite vorbeischauen.

Viel Spaß beim Lesen!

Sport in Lülsdorf und Ranzel vor Gründung der LüRa – Teil 2


Von Wolfgang Rehmer

Man darf sich das nicht so vorstellen, dass ab jetzt alles in diesem Gewölbe stattfand. Turnen war zu diesem Zeitpunkt noch eine Freiluftsportart. Reck, Barren und Sprunggerät, damals Schwingel genannt, waren auf der Wiese fest verankert. Das 2 Hektar große Grundstück durfte dafür und für die sogenannten volkstümlichen Übungen genutzt werden. Nur im Winter wich man in diesen Keller aus.

Abb.2 : Artikel im Bonner General-Anzeiger vom 26.07.1913

Diese Aktion war dann der Anlass, wie 3 Jahre vorher schon in Mondorf geschehen, den Jünglingsverein umzubenennen in Turnverein „Sigambria“ Lülsdorf. Der Sport in Lülsdorf ist also 106 Jahre alt, nur größere Lücken nachdem 2. Weltkrieg haben das Jahr 1913 als Gründungsjahr des Lülsdorfer Sports verhindert.  

Der Name „Sigambria“ muss im Zusammenhang mit der deutsch-nationalen Gesinnung dieser Zeit gesehen werden. Die Sigambrer lebten vor 2000 Jahren in unserem Gebiet. Und viele Vereine nannten sich damals nach Volksstämmen, die erfolgreich gegen Cäsar gekämpft hatten, wie z.B. Alemannia, Salia, Hassia oder Teutonia. Turnen hatte noch nichts mit Geräteturnen zu tun, sondern war damals der Oberbegriff für alle Arten der Leibesübungen.

Abb. 3 Lage des Gewölbekellers der Burgruine und Ausschnitt des Kellers unter dem Palas, Bilder aus dem Buch von Dr. Olligs (1952)

Erstmals erschien im Jahr 1916, also mitten im 1. Weltkrieg, der Lülsdorfer Rudi CHITIL in der Ergebnisliste des Wehrturnens in Siegburg. Durch die 2 Jahre vorher erfolgte Straßenbahnanbindung war der Sportplatz auf dem Siegburger Brückberg bequem zu erreichen. Wehrturnen war ein spezieller Dreikampf in den Kriegsjahren, der aus einem Sprint über Hindernisse, Weithochsprung und Wurf mit gefüllten Konservendosen bestand. Alleine dieser Wettkampf zeigt, dass Leichtathletik die erste Sportart war, die in Lülsdorf ausgeübt wurde.

Die normalen Wettkämpfe in den Turnvereinen waren damals Mehrkämpfe aus Turn- und Leichtathletik-Übungen mit vorgegebenen Mindestleistungen, die wie bei den Bundesjugendspielen zu Siegerurkunden führten.