Liebe Freunde, Mitglieder und Interessierte, in unserem Jubiläumsjahr 2019 (60 Jahre LüRa!) erhaltet ihr in den kommenden Wochen einen interessanten Einblick in die Zeit vor der Gründung der LüRa! 

Unser langjähriger Übungsleiter und Sportwart der Leichtathletik-Abteilung, Wolfgang Rehmer, hat im Rahmen seiner umfangreichen Arbeit für die Niederkasseler Hefte den Sport in Niederkassel in den letzten rund 100 Jahren beleuchtet und dabei eben auch speziell in Lülsdorf und Ranzel.

Wer schon ungeduldig ist, kann auch gerne schon mal auf unserer neuen Archiv-Seite vorbeischauen.

Viel Spaß beim Lesen!

Sport in Lülsdorf und Ranzel vor Gründung der LüRa

Von Wolfgang Rehmer


Abb. 4 : Mitglieder des Turnvereins Sigambria Lülsdorf im Jahr 1920 zusammen mit Troisdorfer Turnerinnen, oben 3. von links Linnartz, 5. Theo Schütz, rechts Josef Eich,Mitte 2. von links Franz Eich, 4. Willi Eich, unten 2.v. links Rudi Chitil, 2. von rechts Bertram, rechts Paul Orth

Wettkämpfe um des Siegens willen waren bis Mitte der 30er-Jahre verboten. Eine vorher festgelegte Leistung musste überboten werden, alle die diese Leistung erreichten waren Sieger. Eine der häufigsten volkstümlichen Übungen der ersten Jahre waren Sprünge mit dem Stab, so dass nicht ausgeschlossen ist, dass es in Lülsdorf schon vor 100 Jahren Stabhochspringer gab, die natürlich mit einem Eschenstab sprangen und auf der ebenen Wiese landeten.

In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg wurde dann der Burgkeller von den britischen Besatzungssoldaten konfisziert und als Lagerhalle benutzt. Deshalb verlagerten die Lülsdorfer Turner ihr Training in den nahe gelegenen Tanzsaal der Gaststätte Bröhl an der Uferstraße.

Abb. 5 : Der Tanzsaal der Gaststätte Bröhl an der Uferstraße im Jahr 1924, die 2. Lülsdorfer Turnhalle
Abb. 6 : So muss man sich die Einrichtung des Bröhl’schen Tanzsaales 1924 vorstellen; Tische und Stühle waren im vorderen Bereich gestapelt und wurden bei Bedarf aufgestellt.

In der Mitte der 20er-Jahre waren es hauptsächlich die Brüder Josef und Franz EICH, die über die Grenzen Lülsdorfs hinaus bekannt waren.


Abb. 7 :  Turnriege von Sigambria Lülsdorf von 1926 mit einem Vorturner aus Wesseling, Theo Schütz, Linnartz, Bertram, Josef Eich, Franz Eich; auch Leichtathletik musste in den Turnvereinen in langer Hose gemacht werden

Wettkämpfe, in denen ein Bester gesucht wurde, waren in den Statuten der Turnvereine nicht vorgesehen. Deshalb taten sich die Turnvereine anfangs schwer, Fußball oder Handball als Meisterschaftssport spielen zu lassen. Die britischen Besatzungssoldaten hatten aber nach dem ersten Weltkrieg das Fußballspielen mitgebracht, auch nach Lülsdorf. Und die Jugendlichen wollten das auch spielen, und das taten sie privat auf der Straße.

Rudi CHITIL hatte einige Jahre bei der Hertha in Rheidt Fußball gespielt und gründete deshalb schon 1920 mit nur 12 (!) Aktiven die Freya Lülsdorf, einen reinen Fußballverein.

Als Angestellter bei den Wildermann-Werken, später Feldmühle, erreichte er es, dass der Verein neben dem Werk einen Fußballplatz einrichten durfte, der anfangs auch dem SV Niederkassel zur Verfügung stand.

Aber die Freya hatte es schwer. Lülsdorf hatte damals nur 700 Einwohner, mit dem Turnverein noch einen 2. Verein im Ort, und im benachbarten Ranzel bahnte sich die Gründung eines Sportvereins an, der sich aber in der Deutschen Jugend-Kraft organisieren wollte. Die DJK war wesentlich besser organisiert als der Fußball-Verband.