Liebe Freunde, Mitglieder und Interessierte, in unserem Jubiläumsjahr 2019 (60 Jahre LüRa!) erhaltet ihr in den kommenden Wochen auch einen interessanten Einblick in die Zeit vor der Gründung der LüRa! 

Unser langjähriger Übungsleiter und Sportwart der Leichtathletik-Abteilung, Wolfgang Rehmer, hat im Rahmen seiner umfangreichen Arbeit für die Niederkasseler Hefte den Sport in Niederkassel in den letzten rund 100 Jahren beleuchtet und dabei eben auch speziell in Lülsdorf und Ranzel.

Wer schon ungeduldig ist, kann auch gerne schon mal auf unserer neuen Archiv-Seite vorbeischauen.

Viel Spaß beim Lesen!

Sport in Lülsdorf und Ranzel vor Gründung der LüRa
Von Wolfgang Rehmer

Überall in der Stadt Niederkassel feiern die Sportvereine ihr 100jähriges Bestehen, der TuS Mondorf im Jahr 2010, die Hertha Rheidt 2016, und selbst der SV Niederkassel wird 2020 100 Jahre alt. Warum feiert die LüRa erst ihr 60. Jubelfest? Gab es hier vorher keine Sportvereine?

Weit gefehlt. Auch im Norden der Stadt Niederkassel gab es 4 Vorgängervereine der LüRa, die aber alle das gleiche Problem hatten : Entweder wurden sie von der politischen Führung verboten oder für eine erfolgreiche Teilnahme an Meisterschaftsspielen war auf Dauer die Spielerdecke zu dünn.

Der Beginn des Lülsdorfer Sports liegt noch in der Kaiserzeit. Damals war nämlich die wichtigste Aufgabe der Turnvereine, Jugendliche durch mannigfaltige Übungen auf ihren Dienst beim Militär vorzubereiten. Deshalb ist der 25.7.1913 für Lülsdorf ganz bedeutsam. Denn an diesem Tag beschloss der Ortsausschuss für Jugendpflegeunter Leitung von Bürgermeister Hecker, jeden Sonntag zur Rekrutenvorbereitung turnerische Übungen stattfinden zu lassen. Diese Aufgabe wurde dem Jünglingsverein übertragen.

Fast gleichzeitig hatte es auch in den Schulen Veränderungen gegeben. 1910 war an den Volksschulen die 3. Sportstunde eingeführt worden. Laut ministeriellem Erlass sollte diese ausschließlich für Fußballspielen und volkstümliches Turnen genutzt werden. Bis dahin hatte der Sportunterricht für die Jungen nur aus drillmäßig ausgeführten Freiübungen und für die Mädchen aus Reigenspielen bestanden. Da kein Lehrer eine Sportausbildung hatte, mussten in den Folgejahren alle Lehrer 4-wöchige Turnkurse besuchen. Im Frühjahr 1913 wurde der Hauptlehrer Klüppel der damals zweizügigen Lülsdorfer Volksschule dazu für 4 Wochen an die Uni Bonn abkommandiert. Wahrscheinlich war das zusammen mit dem Beschluss des Jugendpflege-Ausschusses der Anlass dafür, dass der schon 1883 erwähnte Jünglingsverein auf dem Schulhof vor der alten Schule auch mit volkstümlichem Turnen begann, denn man hatte ja jetzt einen „Übungsleiter“. Volkstümliches Turnen ist das, was wir heute Leichtathletik nennen und was auch ohne eine Sporthalle einfach im Freien durchzuführen war.

Mehr noch, da für den Winter entsprechende Räume noch nicht vorhanden waren, stellte Urban Olligs, der Vater von Dr. Heinrich Olligs und Besitzer der Burgruine Lülsdorf, Schwiegervater unserer späteren stellvertretenden Vorsitzenden Erika Olligs, dem Jünglingsverein gleichzeitig dennoch völlig intakten, von der Rückseite begehbaren 5x11m großen und in der Mitte 4m hohen Gewölbekeller der Burgruine zur Verfügung und ließ darin einen Turnsaal herrichten, eine in Deutschland sicherlich einmalige Aktion.

Abb. 1 : Foto der Burgruine aus dem Jahr 1913, unten in der Mitte ist der Eingang zum Kellergewölbe, von da führte eine Treppe 4m in die Tiefe